Ginkgo und Kultur
Der Ginkgo - "heiliger Baum des Ostens"

Der Ginkgo gilt als "heiliger Baum des Ostens" und wurde als Symbol für die Verbindung von Gegensätzen schon immer verehrt. Er ist ein Sinnbild des östlichen Yin und Yang: Die Wuchsform präsentiert das Yang und wird mit Aktivität und Lebenskraft gleichgesetzt, während die fächerartigen Blätter das Yin, also Sanftheit und Weichheit, darstellen.
Vor allem die Kulturgeschichte Chinas verlieh dem Ginkgo große Bedeutung in der Kunst, der Philosophie und der Heilkunde. Die ansprechende Gestalt und die besonderen Merkmale des Baumes – wie das zweigeteilte Blatt, die Zweihäusigkeit (weibliche und männliche Pflanzen) und die Wuchsform – machen den Ginkgo so einzigartig. Viele Mythen ranken sich um den Baum. Er steht für wundersame Energien, Hoffnung, Harmonie und Liebe. Langlebigkeit, Widerstands- und Anpassungsfähigkeit sind die Grundlage für seine Verehrung als Kultur- oder Tempelbaum. Dem Ginkgo werden kraftspendende und lebensverlängernde Eigenschaften zugeschrieben.
Die Geschichte vom Tempelbaum in Hiroshima hat zum Mythos beigetragen: Der Ginkgo ging bei der Atombombenexplosion 1945 in Flammen auf, trieb aber im selben Jahr wieder aus und lebte weiter.
Zum Jahrtausendwechsel erklärte das "Kuratorium Baum des Jahres" den Ginkgo biloba zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends.
Der Ginkgo in der Kunst

In der Jugendstilzeit verwendeten Maler und Designer das Ginkgoblatt als Motiv in Gemälden, in der Baukunst und der Innenarchitektur.
In Deutschland wurde der Ginkgo unter anderem durch ein Werk von Johann Wolfgang von Goethe bekannt. Goethe ließ im heutigen Jenenser Botanischen Garten einen Ginkgobaum pflanzen. Im September 1815 schrieb der 66-Jährige sein Gedicht "Ginkgo biloba", welches er seiner späten Liebe Marianne von Willemer widmete. Die Verse wurden in der Sammlung "west-östlicher Diwan" veröffentlicht.
Im Goethe-Museum in Düsseldorf ist der Brief, dem Goethe zwei Ginkgo-Blätter beilegte, zu sehen.
Originalschrift des Goethe-Gedichts:
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut,
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

