Facts HIV


HIV/AIDS

Was ist HIV und AIDS?

HIV ist die Abkürzung für ein Virus, nämlich für das „Humane Immundefizienz-Virus“ (Menschliches Immundefekt-Virus).

Das HI-Virus kann nur übertragen werden, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms) mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Das Virus befällt die Zellen des Immunsystems und vermehrt sich dort. Auf der anderen Seite bekämpft das Immunsystem die Viren, indem es neue Immunzellen nachbildet. Solange ein Gleichgewicht zwischen Virusvermehrung und Virusabwehr existiert, bleibt man gesund, obwohl das Virus im Körper aktiv ist. Gewinnt jedoch das Virus die Oberhand, kann der Körper Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren nicht mehr ausreichend bekämpfen und er wird anfällig für bestimmte Erkrankungen.

Elektronenmikroskopisches Bild einer HIV-infizierten T-Zelle (nachträglich farbig unterlegt, HI-Virus in gelb)


Bei HIV unterscheidet man 2 Typen: HIV-1 und HIV-2. HIV-2-Infektionen verlaufen im Allgemeinen langsamer und milder als die mit HIV-1, können aber ebenfalls tödlich verlaufen. Außerdem lassen sich die Virentypen weiter in Gruppen und Subtypen aufgliedern. Die in Deutschland am häufigsten vorkommende Variante ist der Subtyp B der HIV-1-Gruppe M.

Als Folge der Infektion mit HIV können lebensbedrohliche Krankheiten entstehen, zum Beispiel Lungenentzündungen oder Krebserkrankungen. Dieses Stadium nennt man erworbenes Immundefektsyndrom oder „Acquired Immunodeficiency Syndrome", kurz AIDS.

Wie wird HIV übertragen?
HIV kann durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Am stärksten gefährdet sind Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Prostituierte mit riskanten Sexualpraktiken und Männer, die Sex mit Männern haben. Daneben kann HIV auch durch Blut bzw. Blutprodukte oder den gemeinsamen Gebrauch von Drogenbesteck übertragen werden. Ist eine Mutter HIV positiv, kann sie während der Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit das Virus auf das Kind übertragen.

HIV-Behandlung
Eine vorbeugende Impfung oder eine Heilung der HIV-Infektion ist trotz intensiver Forschung derzeit nicht möglich. Jedoch gibt es heute sehr wirkungsvolle Medikamente, die die Vermehrung des Virus verhindern. So können heutzutage die meisten HIV-infizierten Menschen lange Zeit mit dem Virus leben, ohne an AIDS zu erkranken. Voraussetzung ist jedoch, dass die HIV-Therapie rechtzeitig begonnen wird und Betroffene die Medikamente auch regelmäßig einnehmen.

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Häufigkeit

Wie häufig ist HIV und AIDS?

Für HIV besteht in Deutschland eine gesetzliche Meldepflicht. Das bedeutet, dass jeder Nachweis einer HIV-Infektion anonym an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden muss. Deshalb gibt es recht genaue Zahlen über die jährlichen Neudiagnosen in unserem Land. Diese Zahl sagt jedoch nichts über die tatsächliche Anzahl von HIV-Positiven in Deutschland aus, da HIV-Infektionen oft erst Jahre nach der Ansteckung entdeckt und diagnostiziert werden. Somit kann die Zahl der tatsächlich Infizierten in Deutschland nur geschätzt werden.

Zahlen aus Deutschland

Ende 2015 lebten in Deutschland rund 84.700 Menschen mit HIV. Von den 84.700 HIV-Infizierten wussten geschätzte 12.600 nichts von ihrer Infektion. Der Anteil der HIV-Infizierten, die eine entsprechende Therapie erhalten, hat sich seit 2006 kontinuierlich von 59 % auf 71,5 % im Jahr 2015 erhöht.1

Im Jahr 2016 gab es 3419 HIV-Neudiagnosen (Tendenz fallend), davon waren etwa 80 % Männer und 20 % Frauen. Schaut man sich die Infektionswege an, so entfielen die meisten Neudiagnosen – nämlich etwa die Hälfte – auf Männer, die Sex mit Männern haben.2

Gemeldete HIV-Neudiagnosen nach Geschlecht und Diagnosejahr (2001-2016)2 


Zahlen weltweit
Weltweit infizierten sich 2016 etwa 1,8 Millionen Menschen neu mit HIV (Tendenz fallend), sodass man davon ausgeht, dass im Jahr 2016 weltweit etwa 36,7 Millionen Menschen HIV-positiv waren. Davon hatte nur etwa die Hälfte Zugang zu einer entsprechenden Therapie. 2016 starben ca. 1 Million Menschen an AIDS.3  

 

Quellen:
1 RKI Epidemiologisches Bulletin 14. November 2016 / Nr. 45
2 RKI Epidemiologisches Bulletin 28. September 2017 / Nr. 39
3 UNAIDS factsheet, www.unaids.org/en/resources/fact-sheet, Zugriff am 9.10.2017  


Infektionswege

Auf welchen Wegen wird HIV übertragen?

Das HI-Virus kann durch direkten Kontakt mit Blut, Sperma, Vaginalsekret, Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms und Muttermilch übertragen werden. Ein Infektionsrisiko besteht dann, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Wer frisch infiziert ist, trägt sehr viele Viren in sich und birgt daher ein hohes Ansteckungsrisiko. Das Risiko ist deutlich geringer, wenn sich nur wenige Viren im Blut befinden, z. B. unter einer wirksamen HIV-Therapie.


Ungeschützter Sex
Am häufigsten wird das Virus durch ungeschützten Anal- und Vaginalverkehr übertragen. Die empfindlichen Schleimhäute im Enddarm und in der Scheide können HIV leicht aufnehmen, aber auch viele HI-Viren enthalten und somit HIV übertragen. In Deutschland sind Männer, die mit Männern Sex haben, besonders gefährdet. Andere Geschlechtskrankheiten, z. B. eine genitale Herpesinfektion, erhöhen das HIV-Risiko, denn über die entzündete Schleimhaut kann das Virus leichter übertragen werden. Das Risiko einer Infektion wächst, je häufiger man ungeschützten Sex hat. Im südlichen Afrika und in Südostasien betreffen HIV-Infektionen vor allem Heterosexuelle.

Drogenbesteck
Drogenabhängige, die ihre Spritzen oder Nadeln mit anderen teilen, haben ebenfalls ein hohes Ansteckungsrisiko für HIV, weil die Viren direkt ins Blut gelangen. In einer Spritze kann sich HIV ggf. mehrere Tage halten. Zudem besteht die Gefahr, sich zusätzlich mit anderen Infektionskrankheiten, insbesondere Hepatitis, zu infizieren.


Schwangerschaft und Stillzeit

HIV-positive Frauen können während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen das Virus auf ihr Kind übertragen. Durch eine Behandlung mit geeigneten Medikamenten und eine Geburt per Kaiserschnitt kann das Übertragungsrisiko allerdings deutlich gesenkt werden. 
   

Risiko beim Tätowieren
Theoretisch besteht beim Tätowieren ein Risiko, sich mit HIV oder einer anderen durch Körperflüssigkeiten übertragbaren Krankheiten, wie z. B. Hepatitis B oder C, anzustecken. Das Risiko kann von unsterilen Nadeln oder kontaminierten Farben ausgehen. In Deutschland gibt es jedoch Leitlinien zur Hygiene beim Tätowieren, z. B. vom Arbeitskreis Krankenhaus- & Praxishygiene sowie von Dachverbänden professioneller Tätowierer. Zudem unterliegen (gewerblich angemeldete) Tattoo-Studies den Hygiene-Verordnungen der jeweiligen Bundesländer und können durch die Gesundheitsämter kontrolliert werden. Werden die Hygiene-Regeln eingehalten, sind Tattoos relativ gefahrlos. Festzuhalten bleibt jedoch, dass es in Deutschland bisher keine strikten Vorgaben zur Keimfreiheit von Tätowiermitteln oder eine amtliche Methode zur Überprüfung gibt.1

*Stellungnahme Nr. 017/2014 des BfR vom 1. Februar 2014: Infektionsrisiken durch Tätowierungen

Kein Infektionsrisiko im alltäglichen Kontakt
In den übrigen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß oder Tränen ist das Virus nur in sehr geringem Umfang enthalten. Daher ist eine Übertragung im alltäglichen Kontakt quasi ausgeschlossen. Ein minimales Restrisiko besteht, wenn diese Körperflüssigkeiten in offene Wunden gelangen. Wer mit HIV-infizierten Menschen zusammen wohnt oder arbeitet, braucht also keine Angst vor einer Ansteckung zu haben. HIV wird nicht übertragen durch Umarmen, Küssen, Händeschütteln, Husten oder Niesen, gemeinsames Essen, Saunagänge oder Schwimmbadgänge oder die gemeinsame Benutzung von Messer und Gabel.


Infektionsverlauf

Wie verläuft eine Infektion mit HIV?

Das HI-Virus zielt auf wichtige Immunzellen, die sogenannten T-Helferzellen (CD4+-Zellen). Diese haben unter anderem die Funktion, andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern zu steuern. Indem das HI-Virus in die T-Helferzellen eindringt und diese veranlasst, weitere HI-Viren zu produzieren, werden wichtige Abwehrfunktionen außer Gefecht gesetzt. Das menschliche Immunsystem reagiert auf den Angriff der Viren, indem es z. B. gezielt spezielle Antikörper gegen das Virus ausbildet. Letztendlich findet ein ständiger Kampf zwischen Viren und Immunsystem statt: infizierte T-Helferzellen produzieren neue Viren; der Körper muss zerstörte T-Helferzellen nachbilden. Je weniger T-Helferzellen vorhanden sind, desto schlechter kann der Körper vor Krankheiten geschützt werden.


Ca. 11 - 15 Tage nach der Ansteckung mit HIV kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung der Viren im Körper. Bei vielen Betroffenen verläuft diese frühe Phase jedoch unbemerkt und ohne oder mit nur wenigen Beschwerden. Nur bei einem Teil zeigen sich Symptome, die nach ein oder zwei Wochen wieder von alleine verschwinden, z. B. Fieber, Nachtschweiß, Durchfall, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und Hautausschlag.

Die Symptome einer akuten Infektion ähneln denen einer Grippe oder dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Infektion mit dem Epstein Barr-Virus). In dieser Erkrankungsphase finden sich besonders viele Viren in Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und in manchen Schleimhäuten (zum Beispiel im Anal- und Genitalbereich). Die Ansteckungsgefahr für andere ist daher in dieser Phase besonders groß.

Da der Körper in dieser frühen Krankheitsphase noch keine Antikörper gegen das Virus gebildet hat, ist die Diagnose einer HIV-Infektion durch einen herkömmlichen HIV-Test noch nicht möglich. Ein HIV-Test würde also trotz Infektion negativ ausfallen. In dieser Phase kann die Diagnose nur durch einen direkten Nachweis des Virus gestellt werden. Am Ende der frühen Phase haben sich die T-Helferzellen wieder erholt, sodass die Anzahl der Viren wieder stark absinkt.

Nach der ersten Phase folgt eine meist mehrere Jahre andauernde Latenzphase, in der die Betroffenen meist keine Beschwerden haben.

Ihr Immunsystem muss jedoch tagtäglich kämpfen, um das Virus in Schach zu halten.

Im Verlauf der Infektion kann das Immunsystem die Virusvermehrung allerdings nicht mehr ausreichend kontrollieren. Die Erreger zerstören mehr T-Helferzellen als nachgebildet werden können, das Immunsystem wird schwächer und die Anzahl der Viren im Körper steigt wieder an.

Verschiedene Beschwerden können nun auftreten, z. B. Nachtschweiß, Gewichtsverlust, länger anhaltende Durchfälle oder Fieber. Auch Pilzinfektionen der Mundhöhle (Soor), Lymphknotenschwellungen oder Hauterkrankungen (z. B. Gürtelrose) treten auf.

Wird das Immunsystem weiter geschwächt und fällt die Konzentration an T-Helferzellen unter 200/Mikroliter, treten bestimmte Krankheiten auf, die typisch für das Stadium AIDS sind. Man spricht auch von AIDS-definierenden Infektionen. Im Schnitt treten diese Infektionen 8-10 Jahre nach der Erstinfektion auf.
Darunter fallen:

  • Lungenentzündungen (Pneumocystis-Pneumonie)
  • Pilzerkrankungen (v. a. der Speiseröhre) 
  • Tuberkulose  
  • Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems 
  • Krebserkrankungen (z. B. Kaposi-Sarkom, Gebärmutterhalskrebs, Lymphome)

Ohne die Behandlung mit Medikamenten kann das Immunsystem auf Dauer die Krankheitserreger nicht mehr bekämpfen. Mit einer gezielten medikamentösen Behandlung lässt sich das Virus jedoch langfristig kontrollieren und AIDS kann verhindert werden. Auch ein Therapiebeginn im Stadium AIDS kann weitere Infektionen oder anderer AIDS-typische Erkrankungen verhindern. AIDS kommt in Ländern mit guter Gesundheitsversorgung heute glücklicherweise immer seltener vor.

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